Menschenrechtspreis der Französischen Republik 2020 [fr]

Für den Menschenrechtspreis der Französischen Republik „Freiheit –Gleichheit –Brüderlichkeit“ 2020, der vom Premierminister der französischen Regierung überreicht wird, können nunmehr Bewerbungen eingereicht werden.

Dieser Preis, der 1988 ins Leben gerufen wurde, dient der Auszeichnung und der Ermöglichung einer erfolgreichen Ausführung von individuellen oder kollektiven lokalen Aktionen zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte in Frankreich oder im Ausland, ungeachtet der Staatsangehörigkeit oder Landesgrenzen.

1 –Nichtregierungsorganisationen oder eigenständige Bewerber müssen ungeachtet der Staatsangehörigkeit oder Landesgrenzen lokale Aktionen oder Projekte in Frankreich oder im Ausland vorstellen, die sich auf eines der beiden im Jahr 2020 zur Auswahl stehenden Themen beziehen:

Thema 1: Recht auf Gesundheit und Bekämpfung von Ausgrenzung
Die globale Gesundheitskrise hat offengelegt, welchen besonderen Schwierigkeiten die am stärksten gefährdeten oder benachteiligten Menschen hinsichtlich der Wahrnehmung des Rechts eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit, so wie es in Artikel 12 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte steht, begegnen. Dieses Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit umfasst gleichzeitig Freiheiten und Rechte. Zu den Freiheiten zählen beispielsweise das Recht, medizinischer Behandlung oder medizinischen Versuchen nicht ohne Einwilligung unterzogen zu werden, sowie das Recht auf Unversehrtheit.

Rechte sind unter anderem das Recht auf Präventionsmaßnahmen und das Recht auf einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitssystemen.Das Recht auf Gesundheit setzt voraus, dass alle sozialen Bedingungen für die Gesundheit aller erfüllt sind, insbesondere die Verfügbarkeit von Gesundheitsversorgung, der freie Zugang zu Gesundheitsstrukturen, Präventionsmaßnahmen, erschwingliche Medikamente usw. Die Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit ist eng mit der Verwirklichung anderer Menschenrechte verbunden, unter anderem mit dem Recht auf Nahrung, Arbeit, Bildung, Nicht-Diskriminierung, Zugang zu Informationen und Teilhabe.

Die so genannten fragilen Gruppen oder Gruppen am Rande der Gesellschaft haben oft weniger Chancen, ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen zu können. Die tödlichsten Krankheiten treffen in erster Linie die ärmsten Bevölkerungen der Welt. Innerhalb eines Landes sind bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie indigene Gemeinschaften und Personen, die in abgelegenen Gebieten leben, mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, die ihnen den Zugang zu Gesundheitsversorgung erschweren.

Der Kampf gegen Ausgrenzung ist ein Kampf für die Verwirklichung der Menschenwürde. Er geht mit dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und der Anpassung der Präventionsmaßnahmen einher.Er setzt die Bekämpfung von extremer Armut voraus, aber auch den Schutz von Hinweisgebern und die Beseitigung von Hindernissen, die der uneingeschränkten, gleichberechtigten und effektiven Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Weg stehen. Er erfordert ebenfalls die Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Dimension hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Herausforderungen für Mädchen und Frauen.

In einer großen Anzahl von Ländern haben Hinweisgeber auch im Gesundheitsbereich versucht, zum Schutz des Gemeinwohls und auf die Gefahr hin, die wirtschaftlichen Interessen der großen Pharmaindustrien zu beeinträchtigen, Informationen zu veröffentlichen.Da sie frühzeitige Warnungen an die Behörden und die Öffentlichkeit herantragen, sind jene, die künftige Katastrophen vorhersagen, wichtige Wächter unserer Systeme für Prävention und Risikomanagement. Deshalb müssen sie sowohl unterstützt als auch geschützt werden.

Mit dem Menschenrechtspreis sollen alle Projekte gewürdigt werden, die den Zugang zu Präventionsmaßnahmen und Gesundheitsversorgung für die am stärksten gefährdeten Personen und benachteiligte Bevölkerungsgruppen im Sinne der Bekämpfung von Ausgrenzung erleichtern. Bewerben können sich ebenfalls Organisationen, die sich für den Schutz von Hinweisgebern im Gesundheitsbereich einsetzen.

Thema 2: Einsatz für die Umwelt und die biologischen Vielfalt
In unserer heutigen Welt ist es von besonderer Bedeutung, einen Bezug zwischen den Menschenrechten und der Umwelt herzustellen.Die Menschenrechte unddie gesunde Umwelt stehen in einer engen und greifbaren Beziehung zueinander. Einerseits werden die Menschenrechtsverletzungen durch die zunehmende Zerstörung der Umwelt verschärft, was sich noch stärker auf die fragilen Gruppen auswirkt, darunter indigene Völker und Menschen in extremer Armut. Andererseits führen die Umweltschäden und Veränderungen der Umwelt aufgrund des Klimawandels zu Verletzungen der Menschenrechte, wie das Recht auf Gesundheit, Wasser, Nahrung, Wohnung, Leben usw. Weltweit sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschenrechte so sichtbar und dokumentiert, dass die Anerkennung des Rechts auf eine gesunde Umwelt unerlässlich wird. Gleichermaßen zeigt sich der Einsatz für die biologische Vielfalt als Voraussetzung für die Durchsetzung der Menschenrechte.

Die Vereinten Nationen identifizieren folgende Phänomene als Umweltbedrohungen mit Auswirkungen auf die Menschenrechte: Umweltauswirkungen auf die Luft, Umweltbedrohungen auf der Erde, darunter die Bodendegradation, Entwaldung und Wüstenbildung, Verschlechterung der Meeresumwelt, gefährliche Abfälle, Verunreinigung durch chemische Produkte und Verschmutzung, Rückgang der biologischen Vielfalt und schließlich Naturkatastrophen.

Die Verteidiger der Menschenrechte und der biologischen Vielfalt sind Menschen oder Gruppen, die sich friedlich für das Recht auf eine gesunde Umwelt und den Schutz von Lebewesen einsetzen, um die bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu schützen und durchzusetzen, wobei sie einen umfassenden Ansatz verfolgen. Bestimmte Gemeinschaften, die eine besondere Beziehung zur Natur pflegen, ein Teil der Jugend und zahlreiche Frauen setzen sich für die Umwelt und die biologische Vielfalt ein. Die Verteidiger der Umweltrechte werden in erster Linie aufgrund ihrer konkreten Aktionen zum Schutz der Umwelt und der Biodiversität und nicht aufgrund ihres Statuts so definiert. Auch wenn es oft Journalisten, Aktivisten oder Anwälte sind, die Umweltzerstörungen und Landraub anprangern und sich diesen zuwider setzen, können die Verteidiger der Umweltrechte jedoch auch ganz normale Personen sein, die in abgelegenen Dörfern, Wäldern oder Bergen leben. In vielen anderen Fällen handelt es sich um Anführer oder Mitglieder von indigenen Gemeinschaften, die das Land ihrer Vorfahren gegen Schäden aufgrund von Großprojekten, etwa Bergbau oder Bau von Staudämmen, verteidigen. Die Verteidiger des Rechts auf eine gesunde Umwelt und Biodiversität sind jene Menschenrechtsverteidiger, die am stärksten betroffen sind. Sie, die getötet, belästigt und verunglimpft werden, müssen bei ihrem Einsatz für die Umwelt und die Biodiversität unterstützt werden.

In diesem Sinne können sich alle Personen oder Nichtregierungsorganisationen bewerben, deren Projekt bzw. Projekte (Advocacy-Projekte oder konkrete Aktionen) auf den Einsatz für die Umwelt und die biologische Vielfalt abzielen, sowie jene, die den Schutz von Hinweisgebern und Umweltverteidigern zum Ziel haben, darunter insbesondere Frauen und junge Umweltaktivisten.

2–Fünf Preisträger werden für eine offizielle Feierlichkeit nach Paris eingeladen. Ihnen wird eine Medaille überreicht und sie werden sich das von der französischen staatlichen Beratungskommission für Menschenrechte für die Umsetzung ihrer Projekte gewährte Preisgeld von insgesamt 70.000 Euro teilen. Sie sind die Preisträger des Menschenrechtspreises der französischen Republik 2020.
Fünf weitere Preisträger werden in ihren jeweiligen Herkunftsländern vom französischen Botschafter/von der französischen Botschafterin eine Medaille der besonderen Auszeichnung erhalten.

3–Die Bewerber müssen die für den Preis geltenden Bestimmungen einhalten.
Sie können diese Bestimmungen auf Anfrage erhalten oder auf der Internetseite der staatlichen Beratungskommission für Menschenrechte einsehen: https://www.cncdh.fr/sites/default/files/pdh_-_reglement_3.pdf

4–Die Bewerbungsunterlagen müssen auf Französisch verfasst sein und folgende Elemente beinhalten:
a) Ein Bewerbungsschreiben, das vom Vorsitzenden oder gesetzlichen Vertreter der projekttragenden Nichtregierungsorganisation oder vom eigenständigen Bewerber vorgelegt und unterzeichnet wird;
das Bewerbungsformular, das diesem Aufruf beigefügt ist und auf der Internetseite der CNCDH heruntergeladen werden kann: https://www.cncdh.fr/sites/default/files/formulaire_de_candidature_2020_0.doc
In diesem Formular werden die in Gemeinschaft mit anderen oder einzeln durchgeführten Projekte detailliert dargestellt.

b) Wenn zutreffend die Vorstellungder projekttragenden Nichtregierungsorganisation (Satzung, Umsetzung usw.);

c) die Postanschrift sowie Bankverbindung der Nichtregierungsorganisation bzw. des eigenständigen BewerbersDie Bewerber müssen ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen unbedingt vorAbgabeschluss am 18.Oktober 2020
im Generalsekretariat der Beratungskommission einreichen:
- CNCDH –Magali Lafourcade, TSA 40 720 –20 avenue de Ségur, 75 007 PARIS –France
- oder per E-Mail an: cncdh@cncdh.fr

Nach Verkündung der Ergebnisse durch die Jury wird der Preis 2020 um den 10. Dezember 2020 feierlich vom Premierminister oder einem anderen Minister/einer anderen Ministerin der Französischen Republik in Paris überreicht.

Dernière modification : 07/10/2020

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