Georges Charpak, Physik-Nobelpreisträger und Erfinder der Teilchendetektoren, verstorben

Der Nobelpreisträger 1992 für Physik Georges Charpak ist am Mittwoch den 29. September in Paris im 87. Lebensjahr verstorben. Mitglied der Akademie für Wissenschaften, widmete er sein Leben der Nuklearphysik und der Hochenergiephysik.

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Georges Charpak

Am 1. August 1924 im polnischen Dabrowica geboren, ist er im Alter von 7 Jahren nach Frankreich gekommen. 1941 ging er dort in die Resistance, wurde nach Dachau deportiert, und nahm 1946 die französische Staatsbürgerschaft an. Mit dem Diplom der renommierten Pariser Hochschule Ecole des Mines in der Tasche, begann Georges Charpak 1948 als Mitglied der CNRS im Labor für Nuklearphysik des Collège de France unter der Direktion von Frédérc Joliot-Curie, seinem Mentor, zu arbeiten, wo er 1954 sein Doktorat machte. 1959 begann er im Forschungszentrum CERN in der Schweiz zu arbeiten. Dort widmete er seine Forschertätigkeiten besonders der Entwicklung einer neuen Technik für Teilchendetektoren. Durch diese Arbeit kommt es 1968 zur Erfindung der „Drahtkammer“, einer Vorrichtung, die die Anzeige des Vorhandenseins von ionisierender Strahlung revolutionieren sollte. 1992 erhält er dafür den Nobelpreis für Physik. Seine Erfindung kommt heute häufig, und vor allem im medizinischen Bereich zur Anwendung, in dem die Röntgenmethode soweit perfektioniert werden konnte, dass Patienten heute weit weniger den gefährlichen Strahlen ausgesetzt werden. 1991, ein Jahr vor ihm, hat der Franzose Pierre Gilles de Gennes ebenfalls den Nobelpreis erhalten. Für Georges Charpak war das nur eine „statistische Anomalie“, aber vielleicht war es doch auch das Ergebnis eines spielerischen, leidenschaftlichen Herangehens zweier Männer. „In beiden Fällen geht es darum, die Physik spielerisch zu betreiben“ meinte er.

Georges Charpak war ein unermüdlicher Pädagoge, der seine Leidenschaft gerne teilte und zudem stets bestrebt war, die Wissenschaft allgemein verständlich zu machen. 1996 gründet er gemeinsam mit dem Physiker Yves Quéré und dem Astrophysiker Pierre Léna die Bewegung „La Main à la Pâte“ (Hinlangen und Mitmachen), einem pädagogischen Programm, durch das die experimentelle Physik in die Klassenzimmer Einzug halten sollte. Ziel dieser Initiative (www.lamap.fr) ist die Neugestaltung des Unterrichts in den wissenschaftlichen Fächern der Pflichtschule, bei vorrangiger Berücksichtigung der wissenschaftliche Forschungsarbeiten.

„Main à la pâte“ kooperiert heute mit zahlreichen Ländern, darunter vor allem mit Österreich im Rahmen des europäischen Programms „Fibonacci“ (www.fibonacci-project.eu ).

Mit vielen Preisen,darunter dem Nobelpreis, ausgezeichnet, war Georges Charpak auch Offizier der französischen Ehrenlegion. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat Georges Charpak am Donnerstag als einen Mann gewürdigt, der in seinem unermüdlichen Kampf, einst im Untergrund, und seither im Interesse der Wissenschaft, für den Fortschritt eingetreten ist.

„Frankreich würdigt diesen großen Humanisten, dessen Leben und Wirken ein Vorbild für das Land und seine Jugend ist. Frankreich ist stolz darauf, Georges Charpak als Kind aufgenommen zu haben und Zeuge seiner Karriere innerhalb der renommiertesten Einrichtungen geworden zu sein. Er hinterläßt uns ein Bild glühender Leidenschaft für die Forschung im Dienste des Wissens“ meinte dieser weiter in einer Presseaussendung.

Lesen Sie eine Hommage auf der Homepage der Akademie der Wissenschaften : academie-sciences.fr

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Georges Charpak (englisch)
Quelle : französisches Aussenministerium (Word - 161 ko)

Dernière modification : 14/10/2010

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